Hallo Veronika
hie eine neu geschite mit dem titel "Das Haus" von mir
alles liebe
Josef
Das Haus
seit tagen gehe ich schon auf diesem weg um an die wegbiegung mit den zwei
häusern zu gelangen. wann werde ich diese biegung erreichen, wann? durch
wälder und über berge bin ich gegangen, mein spiegelbild habe ich im
glasklaren see gesehen und habe mich von mir abgewendet. habe mich
erschrocken als ich mich erkannt habe, habe mich hinter masken versteckt, so
das mich keiner mehr erkennen kann. Jetzt gehe ich diesen weg, den mir ein
freund gezeigt hat.
ist es mein weg? zurück gehe ich nicht mehr, denn das ist eine niederlage,
alle anderen beobachten mich so genau. zeigen mit dem finger auf mich wenn
ich einen scheinbaren fehler mache. schultern gerade, einen schritt vor den
anderen, nur nicht zu große schritte, immer schön gerade aus, nur keinen
fehltritt, pass ja auf das du alles richtig machst, höre ich in gedanken
noch meine mutter sagen, als mich für einen kleinen moment keiner
beobachtet. wie automatisch springe ich von diesem breiten weg in die büsche
und verschwinde in dem kleinen wäldchen.
sofort sehe ich einen kleinen schmalen weg, wie geschaffen ist dieser weg
für mich, das spüre ich schon nach den ersten schritten. es sind zwar noch
kleine unbeholfenen schritte, und ich gehe nicht immer gerade aus, aber es
sind meine schritte, meine ersten eigenen schritte, der weg ist noch schmal,
jetzt werden die schritte schon sicherer und mein weg wird breiter. der wald
wird lichter und ab und zu stehen auch blumen am wegesrand. bis jetzt habe
ich mich noch nicht getraut eine blume zu pflücken. immer noch habe ich das
gefühl das sind nicht meine blumen. immer wieder erinnere ich mich an mein
spiegelbild im see wenn mir eine blume begegnet.
ein innerer impuls lässt mich aufblicken, da vorne ist die biegung mit den
zwei häusern, von dem mir ein alter weiser mann erzählt hat. ich solle
zwischen den zwei häusern gut wählen hatte er mir gesagt. zwei häuser wie
sie unterschiedlicher nicht sein können.
das eine auf der linken seite ist herrschaftlich, erstrahlt von den
aussenlampen, glänzt die goldgelbefarbe weit über das land. eine große
prunkvolle treppe führt zur großen eingangstür. links und rechts der treppe
statuen aus vergangenen zeiten. es ist schon ein schloss, wenn ich es mir
richtig überlege. es wird wohl über hundert zimmer haben. ich fasse mir ein
herz und gehe hinüber, drücke meine nase ans fenster und schaue in ein
zimmer, es ist eher ein saal, bestimmt 20 mal 30 meter, die wände gold
verziert, mit bildern der ahnen aus vergangenen zeiten. und das ist für
mich, das darf ich mir aussuchen?
ich will mir doch auch mal das andere haus ansehen, und gehe auf die andere
strassenseite. klein und hässlich ist dieses haus. ein verwildeter garten,
keine blumen wie auf der anderen seite. weiße, abblätternde farbe verziert
das haus, eine kleine tür, ich müsste mich bücken wenn ich dieses haus
betreten möchte.
ich stehe vor der wahl, welches haus soll ich wählen. ich denke an mein
spiegelbild, von dem ich mich abgewendet habe, denke an die masken die mich
begleiten, fühle mich ganz schlecht und elend, fühle mein trauriges herz,
das noch nie die fülle erlebt hat, und jetzt soll ich mich entscheiden. ich
fühle meine traurigkeit, sehe mein spiegelbild mit allem was ich bin und
ekel mich vor mir selber, senke meinen kopf und betrete das kleine weiße
haus.
ein raum, kahle wände , ein kleiner klappriger tisch an dem ein bein halb
fehlt mit einem schemel davor, da drüben eine halbhohe wand, dahinter die
toilette, gleich daneben mein strohbett. müde und erschöpft lege ich mich
auf das bett, decke mich zu, und mit den gedanken an das haus von gegenüber
schlafe ich ein.
nachts träume ich vom haus gegenüber wie ich darin wohne, es ist alles
vorhanden. alles ist fertig eingerichtet. es ist wirklich alles vorhanden,
an jede kleinigkeit ist gedacht worden. es gibt spielzimmer, esszimmer,
schlafzimmer und alle möglichen zimmer, wäre das ein leben hier zu leben.
immer genug zu essen und zu trinken, die köstlichsten speisen und die
edelsten weine. ein pompöses badezimmer mit goldenen wasserhähnen, im traum
steige ich gerade aus der dusche als ich aus dem bett falle und auf den
boden der tatsachen knalle. autsch, das hat weh getan, und ich mich frage
mich: „hat das etwas zu bedeuten?“
ich schaue mich in meinem zuhause um und bin deprimiert. schaue aus dem
schmutzigen einzigen fenster hinüber auf die andere seite. dort hätte mein
zuhause sein können. schweigend ziehe ich mich an, mache mir ein paar brote
und gehe zur arbeit. abends komme ich müde nach hause, schaue wieder hinüber
auf das schloss und betrete mein haus. mache mir etwas zu abend, setze mich
auf die selbstgebaute bank vor dem haus um die aussicht zu genießen, die
aussicht auf das schloss.
so geht es schon jahr ein jahr aus, denke jeden tag an die nicht gewählte
chance. mein haus sieht noch genau so aus wie ich es am anfang zum erstenmal
betreten habe. wie zufällig schaue ich in eine pfütze die noch vom gestrigen
regen übrig geblieben ist. ich erschrecke mich. bin ich das? wo sind meine
masken geblieben, ganz verwundert starre ich mein spiegelbild an. schaue in
meine augen und begegne zum erstenmal meiner seele. ich schaue in meine
seele und spüre wie sich ein inneres feuer entzündet. ganz warm wird es mir
ums herz. ich drehe mich zu meinem haus, und spüre zum erstenmal freude in
mir als ich jetzt mein haus sehe. heute ist es das erste mal das ich mein
haus als mein haus erkenne.
müde bin ich geworden, lege mich in mein bett und schlafe mit einem lächeln
ein.
am nächsten morgen erwache ich als der erste sonnenstrahl mich vorsichtig
berührt.
eine wohlige wärme durchströmt meinen körper. ich stehe auf und ziehe mich
an, schaue in den spiegel und erfreue mich an dem was ich sehe. hole hammer
und zange aus der werkzeugtasche und repariere den tisch, jetzt steht er
wieder sicher auf seinen eigenen beinen. wisch den tisch ab, gehe in meinen
garten und pflücke die einzigste blume um diese in mein haus zu tragen und
auf den schönen tisch zu stellen. kaum habe ich die blume gepflückt wächst
eine neue genauso schöne blume wie vorher an dieser stelle. beschwingt mache
ich mir brote und gehe zur arbeit.
abends als ich nach hause komme schaue ich auf mein haus und in meinen
garten, ob die blume schon größer geworden ist. zwei blumen sind jetzt dort
wo heute morgen noch eine stand. schnell gehe ich zu meinem brunnen hole
frisches wasser um die beiden blumen zu gießen. ich betrete mein haus und
schaue liebevoll auf meinen tisch, die blume lacht mir entgegen. hole einen
eimer, fülle ihn mit wasser, tauche den lappen hinein und beginne mein haus
zu putzen. alles fängt sofort im eigen glanz an zu strahlen. als ich drinnen
fertig bin gehe ich in den garten, rupfe da etwas und rücke dort etwas
zurecht, bis die beiden blumen genug platz und luft haben um frei atmen zu
können. nehme einen schluck frisches brunnenwasser und gehe vergnügt ins
haus.
am nächsten morgen erwache ich und erfreue mich an dem schönen strahlenden
haus.
heute ist samstag, und ich habe zeit mir mein haus zu gestalten. nach dem
frühstück strecke und recke ich mich und denke, eher so nebenbei., mein haus
könnte auch etwas größer sein und verschiebe in gedanken eine wand. und was
soll ich euch sagen, tatsächlich verschiebt sich diese wand und bleibt genau
an der stelle stehen die ich mir gedacht habe. verunsichert stehe ich auf,
gehe zur wand und berühre sie. wirklich, die wand ist ganz fest und aus
stein.
wie ist das nur geschehen denke ich so als mich etwas an meiner linken
schulter berührt. ich schau mich um und erkenne nichts.
was geschieht hier? wie aus dem nichts höre ich eine stimme. „schon lange
hast du um hilfe für dein leben gebeten, nie hast du dich getraut unser
hilfe anzunehmen. heute ist es das erste mal das wir dir helfen dürfen.
heute ist hier für uns ein freudentag und wir feiern ein fest. wer wir sind
fragst du dich? wir haben keinen namen, solange du uns keinen namen gibst.
nennst du uns karl, dann sind wir karl. du kannst uns auch einen heiligen
namen geben. wir sind die, die keinen namen haben. und wir sind die, die
alles sind was du möchtest. wir sind deine fantasie, wir sind deine gefühle,
wir sind dein wille. du erinnerst dich? dein wille geschehe. und er
geschieht.“
ganz ungewohnt für mich, ich stehe hier, und höre stimmen, spinne ich?
„nein du spinnst nicht, es ist jetzt an der zeit das du dein leben lebst.
jeden tag hast du aus deinem fenster geschaut und dir vorgestellt wie das
leben der anderen ist. wie das leben hätte sein können wenn du anders
gewählt hättest, und darüber hast du dich selber ganz vergessen.
früher hast du vieles aus angst getan. hast dinge getan in dem gefühl
anderen nicht zu genügen. hast dich ständig mit anderen verglichen und
wolltest immer das leben anderer leben. gestern als du dich selber erkannt
hast und angenommen hast. gestern als du zum ersten mal deine seele gesehen
hast, hast du dein herz geöffnet und dich entschieden alles in liebe zu tun.
wir danken dir und sind glüchlich dir dienen zu dürfen.“
glücklich und voller frieden setzte ich mich auf meinen stuhl, denke an
meine inneren wünsche und freue mich auf morgen.
by Josef